Begegnung der besonderen Art | 03/01/2002 |
Neulich ging ich, am späten Vormittag, am Wiener Naschmarkt entlang stadtauswärts. Plötzlich verstellte mir ein Mann mittleren Alters den Weg und begehrte Auskunft:
Entschuidign, kennan se mir sogn wo ma do san?
Wie bitte?
Nau wo samma do?
Im ersten Moment war ich schwer verunsichert. Was wollte dieser eigenartige Typ, der noch dazu einen leicht alkoholbeeinträchtigten Eindruck machte? Wollte er mich, so der erste Gedanke, pflanzen, war er vielleicht etwas wirr im Kopf, oder wollte er mit einem ausgefuchsten, mir noch unbekannten Trick Geld schnorren - oder war da gar irgendwo eine versteckte Kamera? Vermutungen, Misstrauen, Skepsis, Verwunderung, Verunsicherung, abenteuerliche Geschichten - alles gleichzeitig ging mir durch den Kopf und sorgte dort für Verwirrung, denn mir war einfach nicht ganz klar worauf er hinaus wollte. Aber es gab offensichtlich nur eine Möglichkeit herauszufinden, was da vor sich ging: einfach irgendwie weiterfragen - und so entspann sich folgender Dialog:
Also gut, wo wollen Sie denn hin?
Na, na, na, . . . wo samma do?
Am Naschmarkt, linke Wienzeile !
Naaaaa, - neeeet, - wöche Stodt ?
Naja, in Wien natürlich!
. . . . . . Wos? - Wirklich?
Ja wirklich!
Naaaaa . . . . . . . !
Erstaunt, fast entsetzt starrte er mich an und schaute mir ungläubig nach, als ich leicht kopfschüttelnd und noch mehr verwundert und erstaunt weiterging. Nach einigen Metern schaute ich vorsichtig zurück, um zu sehen was er jetzt macht - aber da hatte er schon die nächsten Passanten angehalten und in ein Gespräch verwickelt - vermutlich mit ähnlichem Inhalt.
Erst jetzt fiel mir auf, daß neben ihm ein mehr als schlampig eingeparktes Auto mit einem Kennzeichen des Bezirkes Melk stand . . .