Autobusgeschichten | 18/01/2003 |

Anfang der Sechziger-Jahre d. 20.Jhdts. wurde die legendäre Wiener Straßenbahnlinie 13 auf Autobusbetrieb umgestellt. Aber nicht auf normale Autobusse, sondern auf Stockautobusse. Aus heutiger Sicht wahre Ungetüme - laut, stinkend, ungemütlich und irgendwie auch leicht bedrohlich, besonders in den kleinen, engen Gassen, durch die diese Busse fuhren.
So passierte eines Tages folgendes:
Es war ein Wochentag, später Nachmittag zwischen 17 und 18 Uhr und ein Bus der Linie 13 stand in der Haltestelle Rainergasse, knapp vor der Favoritenstraße. Der Gehsteig war an dieser Stelle extrem schmal, kaum einen Meter breit und dutzende Menschen zwängten sich aneinander und am Bus vorbei. Darunter auch ein Mann, der eine Aktenmappe unter den linken Arm geklemmt hatte. Als er genau auf Höhe des vorderen Buseinstiegs, einer schmalen Falttür, war, ging diese ruckartig zu und im selben Moment fuhr der Bus los. Plötzlich ein entsetzter Aufschrei - der Mann war so knapp am Autobus vorbeigegangen, dass seine Mappe in der Falttür eingeklemmt wurde und nun mit dem Bus davonfuhr.

In den Siebziger-Jahren gab es bei den Wiener Verkehrsbetrieben (so hieß das damals) Autobusse mit geradezu heimtückischen Falttüren. Diese wurden mit Pressluft betrieben und hatten die Eigenheit, vor dem Schließen sekundenlang zu zischen und zu fauchen und dann mit einem blitzartigen Ruck zu schließen - einer Guillotine nicht unähnlich. Ein solcher Bus der Linie 14 stand eines Nachmittags in einer Haltestelle auf der Wienzeile. Fahrgäste stiegen aus und ein. Die hinterste Türe war noch geöffnet. Da kam, in ein paar Metern Entfernung, ein Mann um die Ecke und sah den Bus in der Haltestelle stehen. Offenbar wollte er ihn noch erreichen, denn im selben Moment fing er an zu laufen. Gleichzeitig setzte sich auch der automatische Schließmechnismus in Gang und es begann leise zu zischen. Der Mann war nun knapp vor dem Bus, setzte zum Sprung in ebendiesen an, sprang kraftvoll vom Gehsteig weg - und genau in jenen Sekundenbruchteilen, in denen er sich in der Luft befand, gingen die Türen mit jenem berüchtigten, blitzartigen Ruck zu. Der bedauernswerte Mensch landete deshalb auch nicht im Bus, sondern klebte, einen kurzen Moment, wie ein Frosch an der Außenseite des Busses und rutschte unmittelbar darauf an dieser senkrecht nach unten. Im selben Moment, als er mit seinen Füßen wieder auf der Straße zu stehen kam, fuhr der Bus mit einem lauten Brummen aus der Station, einen mehr als nur verdattert dreinschauenden, vehinderten Fahrgast, zurücklassend.

Autobuschauffeure sind ja im Allgemeinen eher ruhige und gelassene Verkehrsteilnehmer, die man nicht so leicht aus der Ruhe bringt. Allerdings sollte man sich nicht unbedingt darauf verlassen und sie nicht unnötig reizen. Es könnte sonst passieren, dass man an einen kommt, der in seiner Freizeit Motorrad fährt, deshalb auf aggressive Autofahrer nicht unbedingt gut zu sprechen und womöglich auch nicht sehr zimperlich ist.
Genau so einer fuhr eines Tages mit seinem Autobus über den Wiener Gürtel, immerhin eine der meist befahrendsten Straßen Österreichs. Vor ihm wechselte ein PKW, ohne zu blinken, immer wieder die Fahrspuren. Als dieser PKW nun wieder einmal den Bus schnitt und kurz darauf bei einer roten Ampel anhalten mußte, stieg der Chauffeur gemächlich aus, ging zu dem PKW und fragte den Lenker: „Sogn‘s amoi, brauchen sie eigentlich kan Blinker?“ Worauf dieser nur hochnäsig zur Antwort gab: „Na, I brauch kan Blinker!“ Daraufhin ging der Autobuschauffeur wortlos zum Bus zurück, holte einen Notfallhammer, kam zurück, spazierte lockeren Schrittes um das Auto und zerschlug genüsslich, mit einem süffisanten Grinsen, ein Blinklicht nach dem anderen.

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