Cabrio-Fahrer | 10/05/2003 |
Stammersdorf am nördlichen Stadtrand Wiens ist nicht nur Wein-Liebhabern und Heurigenbesuchern ein Begriff, sondern auch all jenen, die das Vergnügen hatten als Präsenzdiener in eine Kaserne in Wien oder in der Umgebung einrücken zu müssen, befindet sich doch dort auch ein Schießplatz des Bundesheeres.
Es war ein sonniger Sommertag zu einer Zeit, als man die jungen Männer, die den Umgang mit einem Sturmgewehr üben sollten, mit LKWs, auf deren Ladefläche einfache Holzbänke montiert waren, durch die Gegend chauffierte. Ein solcher LKW fuhr an eben diesem heißen Sommertag wieder von Stammersdorf zurück in eine Kaserne, über die Floridsdorfer Hauptstraße zur Floridsdorfer Brücke. Unmittelbar vor der Brücke, an der Kreuzung, an der ein Polizist den Verkehr regelte, musste er stehen bleiben und reihte sich in die Linksabbiegespur zur (damaligen) Donauuferstraße ein. Neben dem LKW, hielt ein schnittiges Mercedes-Benz Cabrio. Der junge Mann, der sichtlich stolz dieses Schmuckstück lenkte, sah die jungen Soldaten und fing sofort, sehr jovial, mit ihnen zu plaudern an, fragte woher sie kämen, wies am Schießplatz war, und wieviele Tage sie noch bis zum Abrüsten ausharren müssten. Inzwischen hatte der Polizist den Querverkehr gestoppt und gab nun den Abbiegern das Zeichen zum Weiterfahren. Der Lenker des Heeres-LKW drückte also knarrend den ersten Gang ein, gab ein paar mal kurz Gas bevor er endlich losfuhr. Während dieser sehr geräuschvollen Manöver hatte sich der Cabrio-Fahrer von den Jungmännern verabschiedet, ihnen noch alles Gute und einen schönen Tag gewünscht, ebenfalls, ohne auf die Straße vor ihm zu schauen, den ersten Gang eingelegt und fuhr nun, gleichzeitig mit dem LKW, sehr rasant los. Im Gegensatz zum Mannschafts-LKW der Präsenzdiener kam er allerdings nicht sehr weit - nämlich nur bis zum Kofferraum des Wagens vor ihm, in den er im nächsten Augenblick mit einem ohrenbetäubenden Knall krachte, begleitet vom Klirren zerspringender Scheinwerfergläser - und gefolgt vom schallenden Gelächter der jungen Soldaten. Und mitten auf der Kreuzung stand ein völlig verdatterter Polizist, der nur den Kopf schüttelte und sich das Ganze überhaupt nicht erklären konnte.