Wasserstraße | 31/08/2003 |

Der Mensch betreibt das Errichten von Häusern schon seit Jahrtausenden und obwohl es für jede Aufgabenstellung dutzende, erprobte technische Lösungen gibt, ist das Bauen nach wie vor ein Abenteuer und wird manchmal sogar zu einer Expedition auf unbekanntem Terrain. Dementsprechend groß sind auch die Überraschungen, die man dabei erleben kann.
So wurde z. B. eines Tages in einer Baulücke in der, nennen wir sie der Einfachheit halber Otterbachstraße, begonnen ein Wohnhaus zu errichten. Man hatte lange und sorgfältig geplant, denn man wusste, dass dieses Baugebiet wegen des Grundwassers (daher auch der Straßenname) etwas heikel war. So wurden von Anfang an im Keller zwei Brunnenschächte eingeplant, durch die man das Grundwasser, sollte es einmal zu hoch ansteigen, abpumpen konnte, bevor es am und im Keller Schäden anrichtete.
Man hatte bereits den Keller und die Brunnenschächte ausgebaggert und die Grundplatte betoniert. Am darauffolgenden Wochenende war wie üblich Schlechtwetter aufgezogen und ein paar Gewitter brachten ordentlichen Regen. Am Montag morgen rückten die Bauarbeiter wieder an um an ihrem Werk weiter zu betonieren. Der Schreck war groß, als sie einen Blick in die Baugrube warfen, und diese über einen Meter hoch unter Wasser stand. Na gut es hatte am Wochenende geregnet, aber doch nicht solche Mengen. Vorsichtshalber holte man sich von der städtischen Wetterwarte dafür noch eine Bestätigung.
Und dann liefen zwischen Polier, Architekten, Bauherrn, Statiker und Baubehörden die Telefone heiß - keiner konnte sich erklären woher plötzlich das viele Wasser kam und keiner wusste wirklich, wie man eine solche Überschwemmung in Zukunft vermeiden konnte. Also pumpte man vorerst einmal 2 Tage lang das Wasser in den Straßenkanal und kam anschließend zu der Erkenntnis, noch zwei Brunnen zu bohren. Das geschah auch und der Bau machte gute Fortschritte und wenig Probleme.
Der Rohbau war fast fertig, als eines Tages beim Nachbarhaus Bauarbeiter mit Kompressor Presslufthämmern und Künettenbagger aufkreuzten und knapp an der Grundstücksgrenze wie wild zu graben begannen. Die Maurer und ihr Polier trauten ihren Augen nicht und schickten einen Kundschafter aus, der bald zurück kam und zum Gaudium aller, folgende kurze Geschichte erzählte: Im Dachgeschoß des Nachbarhauses befand sich ein sogenanntes „Tröpferlbad“. Seit über einem Jahr wunderte man sich dort bereits über den enorm gestiegenen Wasserverbrauch, aber niemand kam auf die Idee, die Ursache dafür zu ergründen. Man dachte wohl an besonders reinliche oder verschwenderische Badegäste und einen nicht sehr verlässlichen Wasserzähler. Irgendwie hatte man aber von den 4 Brunnen im Keller des Nachbarhauses Wind bekommen und davon, dass dort immer relativ viel Wasser abgepumpt wurde. Und dann war doch irgendjemand so schlau, diese beiden Dinge in Zusammenhang zu bringen, und nachzuforschen - und siehe da es stellte sich heraus, dass die Wasserzuleitung schon seit längerer Zeit ein ordentliches Leck hatte, das nicht nur für utopische Verbrauchswerte im Tröpferlbad sondern auch regelmäßig für volle Brunnen im Keller des Neubaus gesorgt hatte.

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