Das Maus-Auto | 19/10/2003 |

In manchen Märchen liest man immer wieder von Tieren, die erstaunliche Dinge machen, auch in vielen Filmen gibt es mehr oder weniger lustige Tiergeschichten, von denen wohl so manche auf eine wahre Begebenheit zurückzuführen sind, so wie diese:
Gegen Ende meiner Studentenzeit verdiente ich mit Ferialpraxis und verschiedenen Gelegenheits-Jobs endlich etwas Geld, und konnte mir einen fahrbaren Untersatz in Form eines alten, klapprigen 2CV leisten. Meine Großeltern besaßen damals noch einen Schrebergarten in einer abgelegenen Gegend am Stadtrand, hatten aber kein Auto. Diese Konstellation ermöglichte es mir immer wieder, gegen kleine Gefälligkeiten in Form von Transportfahrten, mein Benzingeld aufzubessern. So mussten z. B. etwa einmal im Monat einige Mistsäcke zum nächsten Müllplatz transportiert werden. Das Auto meiner Eltern war dafür natürlich viel zu schade und viel zu schön, also musste meine alte Klapperkiste herhalten.
Ich hatte also wieder einmal einen Samstag Nachmittag im Garten in der Sonne gelegen und am Heimweg den Müll weggebracht. Am Abend fuhr ich in die Innenstadt um mit ein paar Freunden einen Jazzkeller zu besuchen. Die Musik war hinreißend und die Nacht lang. Zu später oder schon früher Stunde, nach zahlreichen Zugaben, packten die Musiker ihre Instrumente ein und auch der Rest des Publikums verließ das Lokal. Ich ging zu meinem Auto um nach Hause zu fahren. Allerdings war dort, wo ich es abgestellt hatte, eine Parklücke, von meinem 2CV war weit und breit nichts zu sehen und an den ersehnten Schlaf war vorerst auch nicht zu denken.
Also zunächst einmal weiter zu Fuß zur nächsten Wachstube, Diebstahlsanzeige erstatten. Diese wurde nur äußerst widerwillig entgegengenommen, weil man sich zu nachtschlafener Zeit Arbeit ersparen und mir einreden wollte, ich könnte mich nur nicht mehr daran erinnern, wo ich mein Fahrzeug abgestellt hätte. Erst als ich etwas grantig wurde und den Beamten energisch klarmachte, dass ich in der Innenstadt jede Gasse kenne, und daher sehr wohl wüsste, wo ich meinen Wagen abgestellt hatte, waren sie bereit, ein Protokoll aufzunehmen. Danach machte ich mich auf die Suche nach einem Taxi, das mich nach Hause brachte. In den Morgenstunden konnte ich mich endlich schlafen legen.
Die Ruhe währte nicht lange, denn mitten aus dem schönsten Schlaf riss mich ein penetrant laut läutendes Telefon. Im Halbschlaf nahm ich den Hörer von der Gabel und murmelte irgendwas hinein. Ich wurde aber sehr schnell wach, als ich „Polizeikommissariat etc.“ hörte. Was wollte die Polizei an einem Sonntag morgen von mir? So verwählen kann man sich ja gar nicht, nicht einmal bei der Polizei. Als man mich nach meinem Auto fragte und wem ich es geliehen hätte, glaubte ich zuerst an einen der üblichen schlechten Scherze meiner Freunde. Ich sagte darauf nur „wollen Sie mich pflanzen, das ist mir letzte Nacht gestohlen worden“. Darauf meinte der Beamte nur trocken: „Nau daun kumman‘s vabei, und hoin‘s ihna‘s“
Ich war verblüfft, andererseits auch irgendwie erleichtert. Ich dachte mir, das ging aber schnell - und gerade das machte mich natürlich neugierig. Also setzte ich mich sofort in die Straßenbahn und fuhr zu besagtem Kommissariat. Die Beamten waren sehr gut gelaunt - fast zu gut, fragten mich ob ich das Auto jemandem geborgt hätte, was ich kopfschüttlnd verneinte. Dann zeigten sie mir einen riesigen Schlüsselbund mit weit über fünfzig Autoschlüsseln und wollten wissen, ob ich den kenne. Ich glaubte im ersten Augenblick, die wollten mich schon wieder auf den Arm nehmen, aber sie meinten nur, sie müssten mich das fragen, denn die Schlüssel hätten sie dem festgenommenen Lenker abgenommen. Als dann endlich alle Formalitäten erledigt waren, war endlich ich dran, Fragen zu stellen, denn es hatte sich herausgestellt, dass zu dem Zeitpunkt, als ich den Diebstahl bemerkte, der Autodieb schon seit ein paar Stunden in der Zelle saß.
„Wissen Sie was ich nicht verstehe? Ich fahre schon seit Jahren kreuz und quer durch Wien und bin noch nie kontrolliert worden, und sie erwischen den Dieb nach ein paar Minuten!“
Daraufhin lächelte der Polizist nur und meinte: „Naja, einerseits kennen wir unsere 'Kundschaft' und andererseits hat seine Freundin schon sehr kräftig mitgeholfen!“
„Geholfen? Wie denn?“
„Na, wir fahren da gemütlich durch die Stadt, da sehen wir einen 2 CV auf uns zukommen,der irgendwie eigenartig fährt, nicht wie ein normales Auto eben, sondern mehr so ruckartig. Während wir uns noch wundern, hören wir plötzlich einen Schreckensschrei aus dem vorbeifahrenden Wagen! Wir haben im ersten Moment geglaubt, da wird gerade jemand umgebracht und haben das Auto natürlich sofort angehalten und die Insassen überprüft. Da der Lenker keine Fahrzeugpapiere vorweisen konnte, haben wir ihn gleich mitgenommen und seine Freundin auch.“
„Und warum hat die Freundin so geschrien? Wollte sie der wirklich umbringen, hat sie wegen seiner Fahrweise zuviel gemeckert?“
„Aber woher, überhaupt nicht, anschließend vielleicht schon, wer weiß. Aber haben Sie wirklich keine Idee?“
„Nein, keine Ahnung!“
„Na gut, ein kleiner Hinweis: wir kennen fast alle Arten von Alarmanlagen und haben auch schon viel erlebt, aber dass jemand sein Auto von einer Maus bewachen lässt, das ist uns neu!“
Die Polizisten brachen in schallendes Gelächter aus. Ich muss sehr dumm dreingeschaut haben, denn die konnten gar nicht aufhören zu lachen. Da fiel mir auf einmal wieder ein, dass ich ja am Vortag die Müllsäcke aus dem Garten abtransportiert hatte. In einem dieser Säcke hatte sich wahrscheinlich eine Maus auf Nahrungssuche befunden, die während der Fahrt zum Müllplatz flüchten wollte, es aber nur bis in den Kofferraum schaffte. Irgendwann muss sie dann bis zum Ablagefach vorgedrungen sein, und hatte es sich dort bequem gemacht.
Der Autodieb dürfte mit den Tücken eines alten 16 PS - 2 CV auch nicht sehr vertraut gewesen zu sein. Man brauchte sehr viel Gefühl, musste die richtige Drehzahl erwischen und im rechten Augenblick sachte die Kupplung kommen lassen, sonst fing der Wagen wie ein Ziegenbock zu hüpfen an und war nicht mehr zu bändigen, bzw. in Gang zu bringen. Da half nur stehen bleiben und einen neuerlichen Startversuch wagen.
Genau so dürfte es dem Dieb ergangen sein und während dieses Bockhüpf-Manövers war die Maus wach geworden, und aus Angst seekrank zu werden, wollte sie davonlaufen. Dabei dürfte sie der Beifahrerin auf den Schoß gesprungen sein. Die fing natürlich vor Schreck wie am Spieß zu schreien an, gerade in dem Moment als die Polizeistreife vorbeifuhr . . .

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