Schwarzkappler | 7/1/2004 |

In den Sechziger-Jahren begann man die Wiener Straßenbahnschaffner durch Fahrscheinautomaten zu ersetzen. Für so manchen war die Verlockung gar sehr groß, sich die paar Schillinge für einen Fahrschein zu sparen. Um diesen neuen „Sport“ nicht allzu populär werden zu lassen, wurden Kontrollore eingesetzt, die sehr schnell, wegen ihrer schwarzen Uniformen und Kopfbedeckungen als „Schwarzkappler“ stadtbekannt wurden.
Diese Kontrollore der Wr. Verkehrsbetriebe waren aber nicht die Einzigen, zu deren Berufskleidung eine schwarze Schirmkappe gehörte. Es gab da seit vielen Jahren noch Andere, die man allerdings kaum in der Straßenbahn, sondern zumeist nur am Wiener Zentralfriedhof antraf, die sogenannten „Pompfüneberer“ (aus dem Französischen „pompes funebres“ = Totengräber). Eines Tages fuhr aber doch ein Vertreter dieser Spezies, in voller Montur, mit dem 71-er stadteinwärts, stieg bei der Kreuzung Ungargasse aus und ging über die Straße, um in einen Wagen der Linie O, der bereits in der Haltestelle stand, einzusteigen. In dieser Straßenbahngarnitur saß unmittelbar hinter dem Fahrer ein etwas nervös wirkender junger Mann, der betont langsam und unauffällig, aber doch sehr konzentriert, ständig um sich blickte. Plötzlich sah er den Mann in der schwarzen Bekleidung und was offenbar noch viel schlimmer war, mit einer schwarzen Schirmkappe, direkt auf sich zukommen. Wie von der sprichwörtlichen Tarantel gestochen sprang er auf und im selben Moment durch die offene Tür ins Freie, rannte den erschrockenen „schwarzen Mann“ beinahe über den Haufen, und verschwand um die nächste Hausecke. Der „Pompfüneberer“, vor Schreck ganz bleich im Gesicht, stieg mit etwas weichen Knien und kopfschüttelnd gemächlich die paar Stufen hinauf, in die Straßenbahn. Der Straßenbahnfahrer hatte natürlich mitbekommen, was da hinter ihm abspielte und amüsierte sich hörbar darüber, was dem bedächtigen Herrn in Schwarz gar nicht gefiel, da er es auf sich bezog. Aber nur einen kurzen Augenblick, denn der Fahrer drehte sich zu ihm um und sagte, von einem Ohr zum anderen grinsend: „der hot sie jetzt sicha fia an Kontrollor g‘hoidn!“

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